Das Unverständnis einer anderen VernunftVon Sebastian MaliezefskiNur ein großer Wunsch?Wer hat sich nicht schon mal über diese Fragestellung Gedanken gemacht: sind wir wirklich alleine im Universum? Gibt es, außer dem momentanen silentium universi, vielleicht wirklich Anzeichen von bewussten außerirdischen Leben? In der Science Fiction wurde dieser Sachverhalt schon längst geklärt. Dort macht man es sich recht einfach: zumeist fliegt eine ausgewählte Expedition zum Planeten X und unverhofft kommt es zum Kontakt der mehr oder weniger friedlichen Außerirdischen. Der eigentliche Nutzen für die Menschheit ist meist nur ein recht kleiner aber trotzdem bedeutender. Man wird sich sicher einen historischen Meilenstein setzen. Die Gewissheit „allein“ zu sein wird sich grundlegend ändern. Der eventuell darauf folgende interstellare Dialog und dessen Vorteile für beide Seiten könnten angestrebt werden. Meiner Ansicht nach sollte hier Vorsicht walten, denn eine solch ausgeschmückte Vision könnte sich schneller als gedacht als Utopie herausstellen. Das neben filmischem Wunschdenken wie z.B. in Contact (1997), auch in der Wissenschaft dieses Thema kein Fremdland mehr ist, dürfte bekannt sein. Dank dem derzeitigem Wissens- wie Technikstand scheint der Weg in die Zukunft geschlagen. Die USA, Europa und neuerdings auch China haben ehrgeizige Pläne zur Eroberung unseres Sonnensystems vorgestellt. Da ist die Rede von Mondbasen und einer bemannten Landung auf dem Mars, was aber wohl erst in Jahrzehnten Wirklichkeit werden kann. Die Gründe für diesen Forscherdrang? Vielleicht Neugier, das Streben nach weiteren Wissen, Ausbau des Lebensraums außerhalb der Erde. Seit jeher weil der Mensch entdecken, das Neue kennen lernen. Etwas in den Hintergrund gerückt ist die Suche nach bewussten intelligenten Leben außerhalb der Erde. Man kann heut mit Sicherheit sagen das es dieses in unserem Sonnensystem nicht gibt, möglich wären vielleicht primitive Lebensformen die über das Stadium eines Einzellers aber nicht hinauskommen. Geben könnte es die auf dem Mars und einigen Monden des Jupiter- und Saturnsystems.Die Suche nach ebensolchen Lebensformen könnte wesentlich erfolgreicher sein als das Erreichen einer höheren Vernunft irgendwo im Universum. Auch wenn es theoretisch möglich wäre einen solchen Zustand zu erreichen, soll dieser Essay aber die Schwierigkeiten, ja sogar die Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens darlegen. Ich gehe auf die bisherigen, wie auch vielleicht zukünftigen Bestrebungen dieser Problematik ein. Wagen wir erst einmal einen Schritt in die Vergangenheit bis zur gegenwärtigen Situation. SETI, Hubble und andere AbenteuerWenn nicht in unserem Sonnensystem eine andere Vernunft existieren kann, dann wäre die Suche in den benachbarten Sonnensystemen, wenn nicht gar in unserer gesamten Galaxis, der Milchstraße der nächste Schritt. Zu dieser (wohl logischen) Erkenntnis erlangte man schon in den 60er Jahren in den USA. Der Astronom und Astrophysiker Frank Drake untersuchte erstmals zwei Sternensysteme, Tau Ceti und Epsilon Eridani mit einem Radioteleskop, diese erste Suche blieb erfolglos, läutete jedoch die Ära von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence) ein. 1961 folgte dann die erste öffentliche Konferenz zum Thema SETI und auch die damalige Sowjetunion rief 1964 ihr eigenes Suchprogramm in die Welt. Weiter ging es mit der Thematik im publizistischen Bereich, der weltbekannte Astronom Carl Sagan und sein Kollege Iosif S. Shkolovskii schrieben 1966 ihr Buch Intelligent Live in the Universe, welches damals hohe Resonanz erfuhr. 1971 kam dann die erste große Studie unter Schirmherrschaft der NASA, ihre Programm Zyklop, welches aus einem so genannten Array von 1500 Teleskopen bestand, scheiterte jedoch an den viel zu hohen Kosten von ca. 10 Milliarden Doller. Dann schlug erneut Frank Drakes Stunde, 1974 sendete er vom Arecibo-Observatorium die gleichnamige Botschaft ins All. Codiert waren hier allerlei Informationen über Erde und Mensch, auf eine dementsprechende Antwort wartet man noch heute. Das SETI-Programm schien sich also zunehmend im Sand zu verlaufen, zwar hat die UC Berkeley inzwischen eine Art kollektive Entschlüsselung von Daten des Arecibo-Observatoriums verwirklicht, die Rede ist von SETI@Home und dessen Nachfolger BOINC, doch auch hier blieben wirklich interessante Ergebnisse aus. War all die Forschung in dieser Richtung umsonst? Wohl nicht ganz, einen Funken der Hoffnung versprühte 1977 das so genannte WOW-Signal des Astrophysikers Jerry R. Ehman. Ihm gelang der Empfang eines Schmalbandsignals am Big Ear–Observatoriums der Ohio State University. Leider gab es von diesem keine Wiederholung, es bleib nur die einmalige Empfangszeit von 72 Sekunden. Die Informationen über dieses Signal sind rar gesät, was man damals mit Sicherheit sagen konnte war, dass es weder terrestrisch, noch aus unserem Sonnensystem stammte. Die Bandbreite betrug weniger als 10 kHz und seine Frequenz entsprach annährend dem Wert von 1420,405 MHz, jene die vom Hyperfeinstrukturübergang von Wasserstoff im Universum erzeugt wird. Das WOW-Signal stellt bis heute das wohl „erfolgreichste“ Ergebnis dar, was die Suche nach einer anderen Vernunft auf Basis der Radiosignale hervorgebrachte hat.Neben der Radiowellenmethode gibt es noch andere Möglichkeiten zur Analyse etwaiger Zivilisationen. Hier kommt das bis jetzt enorm erfolgreiche Hubble-Teleskop zum Einsatz. Am 24. April 1990 wurde diese Apparatur im Erdorbit in Dienst gestellt. Hubble lässt z.B. optische Beobachtungen im Infrarot und Ultraviolettbereich zu. Seine größten wissenschaftliche Erfolge waren die Hochauflösende Beobachtung vieler Galaxien und so genannten Cepheiden, eine besondere Klasse von Sternen deren Leuchtkraft sich periodisch verändert. Dem HST (Hubble Space Teleskop) verdanken wir auch den viel zitierten „tiefsten Blick in den Weltraum“ dem Hubble Ultra Deep Field, das ist im Prinzip nichts weiter als ein recht kleiner Himmelsausschnitt der mit Hubble untersucht wurde. Dieser Ausschnitt im Sternbild mit der recht lustigen Bezeichnung „Chemischer Ofen“ enthielt sehr wenig helle Sterne die diese Beobachtung stören konnte, so gelang gewissermaßen eine relativitätstheoretische Zeitreise bis zu den Galaxien vor ca. 800 Millionen Jahre nach dem Urknall. Und die Liste geht weiter: mit dem HST wurden viele Schwarze Löcher in Zentren von Galaxien nachgewiesen, des Weiteren übt man sich in der Untersuchung der kosmischen Expansion anhand von Supernovae. Solch orbitale Ferngläser wie es Hubble und seine Nachfahren waren, und auch die Erdgestützten Teleskope, eigenen sich auch zur Entdeckung der Exoplaneten, jene Himmelskörper die der Klassifizierung eines echten Planeten entsprechen, jedoch zu einem anderen Sternensystem als unserem gehören. Mittels der Spektralanalyse lassen sich Rückschlüsse auf die atmosphärische Zusammensetzung solcher weit entfernten Planeten ziehen. Hubble bewies dies Anfang 2006 indem man im erdnahen System Gleise 436 (ca. 30 Lichtjahre entfernt) ein interessantes exolanetares Objekt entdeckte. Die Wogen im wissenschaftlichen Jargon schlugen danach hoch. Das Teleskop wies in der Atmosphäre dieses felsigen Planeten chemische Spuren von Ozon, Kohlenstoffdioxid und sogar Sauerstoff nach. Ein weiterer positiver Aspekt war die optimale Entfernung zu seinem Stern, diese liegt sogar in dem Bereich das auf dem Planeten Wasser in flüssiger Form existieren könne. Vermutungen lagen nahe das dort eine Art Photosynthese ablaufen könne. Planet X, so wurde er vorläufig genannt, also vielleicht eine zweite Erde? Man weiß es trotz dieser Erkenntnisse nicht, und zwar nicht 100%ig. Das ist die Problematik an der gesamten aktuellen SETI-Forschung: die klare, sichere Aussage. Für mich ein Zeichen das wir noch lange auf ein wirkliches Indiz von intelligentem Leben warten müssten. Der Mensch und sein Spiegel… sorgen vielleicht dafür das der interstellare Kontakt nie stattfinden wird. Was die heutige Forschung in diesem Gebiet ans Licht gebracht hat, mag zwar reichhaltig aber doch verwirrend sein. Wir haben leistungsfähige Sende- und Empfangsanlagen die uns das berühmte WOW-Signal einbrachten (bei dem ich mir fast sicher bin das diese Entdeckung heute kaum noch jemanden interessiert bzw. überhaupt jemand weiß das es je existierte), gebracht hat es im Prinzip nichts. Heute weiß man, dass das Signal heutigen Untersuchungen nicht standhält, es wiederholte sich nicht, es hat kein (für uns) erkennbares System und es wurde nicht in pulsierender Form, geschweige denn je von einer anderen Antenne empfangen. WOW ist nüchtern betrachtet gar nicht „wow“. Als nächstes kommt die Arecibo-Botschaft, ja von ihr haben wir leider noch keine Antwort, was wohl bedeutet das sie noch nicht angekommen oder fehlgeleitet im Äther verschwunden ist. Beide Ursachen können sich hier noch aufsummieren und in einem Dilemma enden, faktisch wäre es dann unmöglich überhaupt noch was von ihr zu hören. Hoffnung und Frustration zugleich wäre der Umstand, dass wir die Nachricht vielleicht schon beantwortet bekommen haben, uns dessen aber nicht bewusst waren. Soll heißen eine solche Nachricht könnte kryptisch zu stark verschlüsselt sein sodass sie unsere Empfangseinheiten einfach unterwandert haben. Dieses Szenario ist ein weiteres Paradoxon dem die SETI-Forschung auch heute ausgeliefert ist. Was wäre wenn wir schon längst ein „intelligentes“ Signal empfangen haben, aber unfähig sind es zu erkennen? Geht man vom Standpunkt des heutigen, modernen, zivilisierten Menschen (ein weit dehnbarer Begriff) aus, stellen wir universelle Kriterien an unsere galaktischen Nachbarn. Versiert in der grundlegenden Mathematik sollten sie schon sein oder sich die Physik ihrer Umgebung (und darüber hinaus) zu eigen machen können. Diese und andere Grundelemente des Wissens müssen aus unserer Sicht mindestens vorhanden sein um auch nur den Ansatz einer Kontaktaufnahme zu gewährleisten – ist eine andere Vernunft aber darauf angewiesen? Dabei begehen wir meiner Meinung nach einen uns angeborenen Fehler. Wir verlangen eine bestimmte Art von Bewusstsein und Vernunft um uns miteinander zu verständigen, nur in diesem Rahmen können wir agieren, denken und wissen. Was aber wenn irgendwo im Universum eine Lebensform existiert deren Vernunft und Bewusstsein sich von der unseren vollständig unterscheidet. Eine Lebensform die anders handelt, einen anderen Wissensstand hat oder in völlig anderen Dimensionen denkt? Ob diese Lebensform aus unserer Sicht intelligent handelt ist rein subjektiv. Es wäre töricht, wenn man denkt eine solche Vernunft ist auf der Suche nach uns oder einer anderen Zivilisation. Vergleichbar ist diese Denkweise an dem Beispiel eines Ameisenhaufens. Wir können erklären was die Ameise für uns subjektiv macht, wie sie funktioniert, wie ihr Staat aufgebaut ist, all das wissen wir – selber wird sie aber nie etwas über sich erzählen, man weiß nicht 100%ig ob sie denkt oder etwas bewusst tut. Auch wenn sie subjektiv ein recht einfaches Lebewesen zu sein scheint, kann sie Dinge die wir nie können, genauso verhält es sich anders rum. Vielleicht ein Bonus für uns, auch wir machen Dinge, handeln nach Erkenntnissen die einem Wesen in fernen Welten vollkommen schleierhaft sein könnten, ja ihnen nicht mal auffallen könnten. Diese Überlegung führt mich zu der Einsicht das, wenn wir Kontakt wollen nur das zu sehen bekommen was wir auch verstehen. Der Kontakt würde einem Spiegel gleichen. Wir würden im Idealfall eine Vernunft kennen lernen die wir auch verstehen, mit der wir kommunizieren können. Wir werden nur die Ähnlichkeit annehmen die uns dargeboten wird. Diese Schemata machen die kosmische Übereinkunft fast unmöglich: wenn auf einer bestimmten Anzahl von Sternensystemen, eine bestimmte Anzahl von Planeten Leben beinhalten könne, ist es uns nur vergönnt eben diese zu erkennen, noch lange nicht aber zu verstehen. Man wird keine Antwort bekommen weil die Gegenseite sie nicht empfängt, darauf antwortet oder für uns unverständlich antwortet. Die Folge ist das „kosmische Vorbeireden“ wie es einmal der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem postuliert hat. Es würde für keine Partei einen Vorteil, einen Wissenssprung geben. Nur die Erkenntnis das man nicht, auf die Quantität bezogen, allein ist. Einsam wird man trotzdem bleiben. Es wird zu keinem qualitativen Fortschritt kommen, wir werden weiterhin Kriege führen, wir werden weiterhin Entdeckungen machen, ein Nutzen für beide Seiten wird sich höchstwahrscheinlich nicht einstellen. Wir werden wohl also nicht verständliche Signale empfangen, die wir einfach übersehen und Kumpel Zufall bringt uns zur vermeintlichen Superrasse, die so gar nicht nach unserem Weltbild funktioniert. Diese Thesen sind für mich schon der Idealfall, das am besten zu erreichende Ergebnis. Die physikalischen Hürden kommen noch hinzu…Raum und ZeitKommt es zum ohnehin schon unwahrscheinlichen Glücksfall das ein Signal empfangen wird, darf man sich zu Recht auf die Schulter klopfen. „Glückwunsch! Wir haben ein Signal aus 30 Lichtjahren Entfernung…“ Die anfängliche Euphorie dieses fiktionalen Gedankenspiels schlägt nur allzu schnell in Ernüchterung um. Wie einen Kontakt herstellen? Wie diese extreme Entfernung überbrücken? Man könnte zurücksenden, nur wird der Empfänger die Nachricht nie erhalten, weil es ihn vielleicht schon nicht mehr gibt, oder eben dann nicht mehr gibt. Es ist schon ein Wunder das man uns erreicht hat. Intelligentes Leben hat auf der Erde bisher keine Erfolgsgeschichte geschrieben, wir können auf eine Entwicklung von ca. 4 Millionen Jahren zurückblicken, davon einen bescheidenen Bruchteil dessen, was man als hochtechnisiert beschreiben könnte. Ist die Urknall-Theorie endgültig bewiesen, können wir noch auf ein ca. 13,7 Milliarden Jahre altes Universum zurückblicken. Genug Zeit für die Entwicklung der wenigen kompatiblen Bewusstseinsformen – aber vielleicht zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wenn es also wirklich zum Empfang halbwegs verständlicher Kosmogramme kommt, werden wir mit der Antwort die Gegenseite verfehlen, bzw. wir wurden schon mehrfach verfehlt. Zu unserem Glück (oder Pech?) können wir uns vielleicht sogar als recht fortschrittlich in Sachen Technik ansehen, denn offenbar hat noch kein vernunftbegabtes Wesen den Raum/Zeitsprung realisiert, wäre es so, hätten wir vielleicht unsere Nachbarn näher kennen gelernt. Diese Fiktion wäre aber sicherlich von Nöten um wenigstens theoretisch die andere Partei zu erreichen. Eine konventionelle Reise zu einem solch entfernten Planeten wäre unmöglich, und selbst eine Fast-Lichtgeschwindigkeit ließe bei der Rückkehr die Erdenbewohner alt, tot oder uninteressiert dastehen.ZusammenfassungHiermit ist dieser Essay abgeschlossen, ich verharre auf meiner recht pessimistischen Meinung, dass der Kontakt mit einer anderen, intelligenten Vernunft nie bewusst stattfinden kann und wird, nur der Beweis ist theoretisch möglich. All meine Überlegungen führen mich zum Ergebnis das der Status „Kontakt“ nie so erreicht wird wie wir uns das vorstellen. Weiterhin ist es jedoch sehr wohl möglich, dass primitive Einzeller, ob inner- oder außerhalb unseres Sonnensystems, existieren können. Hier noch mal die zentralen Aspekte meiner Überlegungen:
Copyright 3.10.2006 by Sebastian Maliezefski Quellen: Wikipedia, Telepolis, „Fiasko“ Stanislaw Lem (1987) |